Präkinematische Apparate - Naturwissenschaftliche Erkenntnisse

17 Jh

Die Magische Laterne - Laterna Magica | 17 Jh

Das genaue Datum und der Erfinder sind nicht bekannt. Verschiedene Wissenschaftler beschreiben im 17. Jahrhundert die Funktion: In einem dunklen Raum werden bemalte Glasplatten durch eine Sammellinse an die Wand projiziert. Um 1660 verbessert der holländische Physiker Christian Hygens die Laterna Magica. Er setzt zwischen Lichtquelle und Bildvorlage eine Kondensorlinse ein. Das Bild wird dadurch gleichmäßiger und heller ausgeleuchtet. Die Laterna Magica gilt als die Urform des modernen Diaprojektors.

Abb. 1
Laterna Magica
Bildprojektor
Mitte 18. Jh.
Quelle: medien.welten im Technischen Museum Wien
Details zu Laterna Magica
1824-
1833

Ab 1824 werden die wissenschafltichen Voraussetzungen für die "Bewegten Bilder" geschaffen:
Der Wissenschaftler Peter Mark Roget (1799-1869) forscht über den menschlichen Wahrnehmungsapparat und veröffentlicht 1825 seine Erkenntnisse über die Trägheit des Auges. Er stellt fest, dass statische Bilder mit leichter Veränderung, die rasch hintereinander gezeigt werden, bewegt erscheinen. Er bezeichnet die Trägheit des Auges als "Persistence of Vision".
Entscheidende Erkenntnisse zur Wahrnehmung von Bewegung liefert Michael Faraday (1791-1867). Seine Arbeiten bilden die Grundlage für die Erfindung des sogenannten Lebensrades. Er entwickelt 1831 die Faradaysche Scheibe und formuliert damit den Stroboskopischen Effekt.

Abb. 2
Schematische Darstellung:
Faradaysche Scheibe von Michael Faraday, England 1831:

Eine flache Scheibe mit einer Einkerbung wird schnell gedreht. Der Betrachter blickt durch die Einkerbung hindurch. Die dahinterliegende Szene wird etwas dunkler, aber trotzdem wahrgenommen.
Details zu Persistence of Vision und Stroboskopische Effekt: Animation / Allgemein
1825

Thaumatrop

[gr.: thauma = Wunder; tropos = Wendung]
1825 präsentieren die Wissenschaftler John A. Paris und W. H. Fitton unabhängig von einander eine Zauberscheibe, das sogenannte Taumatrop. Dabei handelt es sich um eine Scheibe mit zwei komplementären Bildern auf jeder Seite (z. B. ein Vogel und ein Käfig). Die Scheibe ist an zwei Schnüren befestigt, an denen sie gedreht werden kann, sodass die beiden Darstellungen zu einem Bild verschmelzen und der Vogel im Käfig sitzt.

1832

Phenakistoscope (Lebensrad, Zauberschiebe, Stroboscope, Phantascope)

[gr.: phenakizein = durch falsche Vorspiegelungen täuschen; skopeô = schauen, sehen]
In den Jahren 1832/33 gelingt es unabhängig voneinander sowohl dem Österreicher Simon Stampfer (1792-1864), als auch dem Franzosen Joseph Plateau ( (1801-1883), ein Lebensrad (Bilderscheibe) zu konstruieren. Plateau nennt seine Erfindung Phantaskop. Stampfers Apparate werden als "optische Zauberscheiben" oder als "stroboskopische Scheiben" bezeichnet. Das Grundprinzip ist bei beiden Forschern ident: Die Scheibe wird am Rand (kreisförmig) bemalt. Am äußeren Rand befindet sich eine umlaufende Reihe von Sehschlitzen. Die Scheibe wird vor einem Spiegel gedreht. Durch die Sehschlitze entsteht der Eindruck, dass sich die aufgemalten Bilder bewegen. Das Lebensrad wird ab 1833 als optisches Spielzeug verkauft.

Abb. 3
Stroboscope
nach Simon Stampfer, Trendsensky Verlag
Wien, 1833
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien
Detail zu Stroboscopische Scheiben
1834

Zoetrop (Wunder-, Schlitz-, Bildertrommel, Daedaleum)

[gr.: zoe = Leben, tropo = wenden]
Auch Daedaleum, Wundertrommel, Schlitztrommel oder Lebensdreher genannt. Angeregt durch die Erfindungen von Joseph Plateaus und Simon Stampfer veröffentlicht 1834 der Engländer William George Horner (1786-1837) den Artikel "On the Properties of the Daedaleum, a new Instrument of Optical Illusion". Dieser enthält eine ausführliche Beschreibung des Gerätes mit dem Namen Daedaleum:
Eine Trommel mit Schlitzen und einem Bildstreifen dreht sich um seine Achse. Bilder und Schlitze sind versetzt angebracht. Ähnlich wie bei der Faradayschen Scheibe werden die gegenüberliegenden Bilder durch Schlitze betrachtet. Die Bildstreifen, bestehend aus ca. 10-13 Bewegungsphasen sind austauschbar.

Abb. 4
Zoetrop "Les Images Vivantes"
Wundertrommel, Miracle drum
Pierre Desvignes, Paris, um 1880
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien

1877

Praxinoscope

[gr.: praxis = tun, handeln; skopeô = schauen, sehen]
Emile Reynaud (1844-1918, F) patentiert 1877 ein optisches Theater, das Praxinoscope. Dieses Gerät ist eine Weiterentwicklung des Zoetrops. Dabei fallen die Sehschlitze weg und die Bilder werden durch Spiegeln betrachtet. Dadurch nimmt der Betrachter die Bilder nicht schräg durch Schlitze wahr, sondern durch mitgedrehte Spiegel. So können nicht nur Bilderstreifen, sondern auch dreidimensionale Objekte betrachtet werden. 1888 ersetzt Etienne-Jules Marey die Bilder durch Miniaturmodelle von fliegenden Möven.
Reynaud verbessert 1888 sein Praxinoskop zum Théâtre Optique, indem er eine Magische Laterne für die Projektion einsetzt. Dabei werden gezeichnete Glasbilder gedreht und projiziert. Es werden gemalte Folienbänder, die bereits gelocht sind, eingesetzt. Zum Abspielen und Aufrollen der Bildbänder dienen Spulen. Dadurch sind erstmals die Animationssequenzen nicht länger auf kurze zyklische Bewegungen begrenzt. Reynaud organisiert öffentliche Vorführungen, die als die ersten multimedialen Veranstaltungen verstanden werden können. Bei diesen "Pantomimes Lumineuses" werden handgezeichnete Einzelbildsequenzen bis zu 15 Minuten projiziert und mit Musik untermalt.


Abb. 5
Le Praxinoscope
Wundertrommel
Emile Reynaud, Paris, um 1890
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien

Abb. 6
Reynauds Praxinoskop
Patentschrift für das Praxinoscop, Ch. Reynaud, Berlin 1878, Deutsches Patent- und Markenamt, München
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien

1868

Das Abblätterbuch (Daumenkino, Folioscope, Kineoscop, Kleinkinoscop, Taschenkinematograph)

[ engl. = Flip-book]
Ein Abblätterbuch besteht aus Blättern mit aufeinanderfolgenden, gezeichneten oder photographisch erstellten Phasenbildern. Diese erzeugen durch schnelles Abblätteren die Illusion der Bewegung. Die ersten kleinen Bücher dieser Art erscheinen Mitte des 19. Jahrhunderts und sind unter den verschiedensten Namen bekannt. 1868 lässt sich der Engländer J.B. Linett das heutige Daumenkino unter dem Namen „Kineograph“ patentieren. Da die Szenen der Geschichten immer länger werden, reicht ein Daumenkino nach einiger Zeit nicht mehr aus. Aus diesem Grund entwirft der Amerikaner Herman Casler eine Abblättermaschine, das Mutoskop.

ab
1870

Chronophotographie

[gr.: chrono = Zeit]
Die Chronophotographie ist eine fotographische Aufnahmetechnik, mit der aufeinanderfolgende Bilder festgehalten werden. Diese Technik gilt als Vorläufer der Filmkamera, mit einem großen Unterschied, es werden mehrere Kameras in einer zeitlichen Abfolge ausgelöst.
Etienne-Jules Marey (1830-1904), Eadweard Muybridge (1830-1904) und Ottomar Anschütz (1846-1907) zählen zu den ersten Erfindern dieser Technik. Eadweard Muybridge gilt als der erste Chronophotograph, der Bewegung in Fotografien einfängt. Er setzt mehrere Kameras ein und löst diese kurz nacheinander aus. Die Geschichte erzählt, dass er im Rahmen einer Wette den tatsächlichen Bewegungsablauf eines Pferdes im Galopp dokumentieren sollte. Er stellt zwölf Kameras mit speziellen Auslösern nebeneinander auf. Die Kameras werden durch Fäden, die über die Rennbahn gespannt sind, nacheinander von dem vorbeigaloppierenden Pferd ausgelöst. Von da an konzentriert sich Muybridge auf das Festhalten von Bewegungen. Im Auftrag der Universität von Pennsylvania entstehen 30.000 Aufnahmen von Bewegungsabläufen. 1887 veröffentlicht er in einer elfbändigen Ausgabe 781 Bilderserien unter dem Titel „Animal Locomotion". Zielgruppe dieser Publikation sind vor allem die Maler, die damit eine wesentliche Grundlage für die Darstellung von bestimmten Augenblicken eines Bewegungsablaufs erhalten. Er entwicktelt 1879 ein Projektionsgerät, das Zoopraxiskop, das für Bewegungsloops eingesetzt wird. Seine veröffentlichten Bücher wie „Animals in Motion“ und „The Human Figure in Motion“ werden noch heute für Bewegungsanalysen herangezogen.

Bücher 3D-Grafik / Allgemein

1879

Zoopraxiscope

[gr.: zoo = Leben; praxis = tun, anwenden; skopeô = schauen, sehen]
Eadweard Muybridge entwickelt für das Betrachten seiner Reihenphotographien das Zoopraxiscope. Dieses Gerät kombiniert eine Laterna Magica und ein Lebensrad. 12 Bewegungsphasen werden auf einer Schlitzscheibe angebracht.

1895

Mutoscope (Veränderungsseher, Stummseher, Kinora)

[gr.lat.: muto = stumm; skopeô = schauen, sehen]
Mutoscope, auch Kinora oder Stummseher genannt, ist ein Betrachtungsgerät für komplexe Ablätterbücher. 1894 erhält Herman Casler (1867-1939) aus Syracuse/New York das britische Patent für eine Abblättermaschiene mit dem Namen Mutoscop. Die mechanisierte Form des Daumenkinos oder des Abblätterbuchs besteht aus einer Bildrolle mit bis zu 1000 Einzelbildern.Diese Rolle befindet sich in einer Art Guckkasten mit Sehschlitz und wird über eine Handkurbel angetrieben. Das Mutoskop steht in Konkurrenz zu Thomas Alva Edisons (1847-1931) Kinetoskop. Es wird mit Münzeinwurf zu einer Unterhaltungsmaschine weiterentwickelt. Das Mutoskop gilt als erste interaktive Spielmaschiene bzw. Spielautomat.

Abb. 7
Mutoscope, Kinora
Phasenbildbetrachtungsgerät
Vertrieb durch Lechner und Müller, Wien
um 1900
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien

1894

Kinetoscop

[gr.: kiné = Bewegung ; skopeô = schauen, sehen]
1894 entwickelt Thomas Edison gemeinsam mit seinem Mitarbeiter William Kennedy Laurie Dickson das Kinetoskop. Durch einen Guckkasten sind Filmszenen zu sehen, die bis zu 20 Sekunden dauern. Das Kinetoskop verwendet Zelluloidstreifen in Endlosschleife mit bis zu 16 Meter Länge. Dadurch sind Filmsequenzen bis zu 20 sec. möglich. Die Zelluloidfilme sind 35mm breit und mit vier Löchern auf jeder Seite versehen. Die Basis für den 35 mm-Film ist damit geschaffen. Das Kinetoskop gilt auch als der erste motorisierte Betrachtungsapparat. Ein Elektromotor transportiert 40 Einzelbilder pro Sekunde. Durch ein Gucklock werden diese betrachtet. Der Eindruck von kontinuierlicher Bewegung entsteht durch eine, in die andere Richtung rotierende Schlitzblende. Die beiden Erfinder verpassen es, ihr Kinetoskop vor einem größeren Publikum vorzuführen. Trotzdem kann sich das Kinetoskop noch über die Jahrhundertwende hinaus in vielen Teilen Amerikas behaupten.

1882

Der elektrische Schnellseher

Auch Ottomar Anschütz baut in den Jahren 1882-1887 die ersten elektronische Betrachtungsapparate. Diese sogenannten elektronischen, stroboskopischen Schnellseher werden auch zum Geldeinwurfautomat (1891) weiterentwickelt.

Abb. 8
Elektrischer Schnellseher von Ottomar Anschütz
Phasenbildbetrachtungsgerät
Siemens u. Halske, Berlin, ab 1892
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien

1895

Das Bioskop

Gemeinsam mit seinem Bruder Emil, stellt Max Skladanowsky 1895 das Bioskop vor. Es ähnelt dem zuvor von Ottomar Anschütz erfundenem Doppelprojektor. Das weiterentwickelte Bioskop verwendet bereits Filmstreifen, die einem kurze Endlosbänder von bis zu 6 sekunden zeigen können. Da die Bilder noch unperforiert sind, kann kein gleichmäßiger Bildstand garantiert werden. Skladanowsky perforiert die Filmstreifen nachträglich. Seine Apparate sind dem Kinetoscop von Edison und dem Cinematograph der Brüder Lumière stark unterlegen.

1895

Cinématographe

Die Geburtsstunde des Kinos: Die Gebrüder Louis und Auguste Lumière zeigen am 28.12.1898 ihre ersten projizierten Filme im Grand Café in Paris vor Publikum. Die Gebrüder Lumière gelten als Begründer des Dokumentarfilms. Sie zeigen Szenen, wie die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof von Ciotat, Arbeiter, die die Fabrik der Lumières verlassen oder die Familie von Auguste Lumière beim Frühstück.

Abb. 9
Cinématographe
Filmaufnahme-, Wiedergabe- und Kopiergerät
Lumiére Frères, Lyon (F), seit 1895
Quelle: medien.welten im Technisches Museum Wien

1889

Kinetograph

[gr.: kiné = Bewegung; gráphein = schreiben, zeichnen]
Die von Thomas Alva Edison (1847-1931) 1889 gefertigte Kamera wird 1891 zum Patent angemeldet. Die Kamera ist mit einer Filmrolle bestückt, die durch eine Reihe von Walzen an der Linsenkombination vorbeigezogen und automatisch wieder hochgezogen wird. Steht der Film still, löst eine Kurbeldrehung den Verschluß aus. Der Kinetograph belichtet in der Sekunde 20 bis 40 Bilder. Mittlerweile produziert George Eastman (1854-1932) in Rochester den ersten Zelluloidfilm. Sein Mitarbeiter William Kennedy Laurie Dickson (1860-1935) halbiert den 70mm breiten Film, um den Rand zu perforieren. Dadurch wird der Filmstreifen präziser transportiert.

Ergänzende und vertiefende Module